Der stille Hintergrund

Durch: Leo Kaniok 3 September 2018

Der stille Hintergrund

Du bist sicherlich schon mal durch einen Wald gegangen. Die Vögel zwitschern, der Wind raschelt durch die Bäume, in der Ferne hört man einen Traktor und vage das Geräusch eines bellenden Hundes. Und doch ist gleichzeitig Stille in dir selbst, große Stille. Eine Stille, die nicht gestört werden kann.

Aber wenn du den Wald wieder verlässt und wieder in die ‚bewohnte‘ Welt mit all ihren Reizen zurückkehrst, scheint die Stille des Waldes schnell zu verschwinden. Zumindest fühlt es sich so an.

Aber ist das der Fall? Kann Stille verschwinden und auftauchen? Oder ist die Stille immer da und es sind eher die Umstände und Phänomene, die kommen und gehen und sich zwischen dir und die Stille schieben?

Es gibt eine schöne Metapher, um das besser zu erklären. Du warst sicherlich schon einmal im Kino. Der Film hat noch nicht begonnen, die Lichter sind noch an und die Leinwand noch weiß. Dann gehen die Lichter aus und die ersten Bilder erscheinen auf der Leinwand. Die Leinwand ist immer noch weiß, aber jetzt siehst Du nur noch die auf sie projizierten Bilder. Die Geschichte im Film baut sich auf, es wird spannend, traurig, gruselig, sie verlieben sich, kurzum, alles Mögliche passiert.

Aber die Leinwand, auf die all diese Situationen projiziert werden, ist immer noch der gleiche weiße Hintergrund. Und selbst wenn sie 1.000 verschiedene Filme gleichzeitig abspielen, bleibt die Leinwand konstant, unberührt und unbewegt weiß.

Nur mit dir passiert etwas. Sobald der Film beginnt, wirst du von der Geschichte erfasst, und wenn es ein guter Film ist, lässt er dich nicht mehr los. Man taucht ganz in den Film ein und vergisst sogar, dass man im Kino ist.

Im Leben ist das eigentlich nicht anders. Stille ist die Leinwand, der Hintergrund, der Urgrund, in dem alles erscheint. Die Stille ist die einzige Konstante im Universum. Sie ist unberührt und ist ewig unbewegt ‚weiß‘.

Nur mit dir passiert etwas. Sobald etwas in der Stille erscheint, was alles Mögliche sein kann, wirst du davon ‚gefangen‘ und völlig in ihr versunken sein. Und wenn es gute Phänomene sind, lässt die Stille dich nicht gehen. Du vergisst sogar, dass es nur Phänomene sind.

Doch genauso wie im Kino der Film nur auf der Leinwand erscheint und nach zwei Stunden vorbei ist, sind alle Phänomene in unserem Leben von vorübergehender Natur. Wie ein Schleier schieben sie sich zwischen dich und die Stille. Genau wie die Lichtprojektionen auf der Leinwand entziehen sie dir den Blick auf die Realität.

Und wenn du nach zwei Stunden das Kino verlässt, mag es aufregend, schön, lustig, traurig, beängstigend, gewalttätig und voller Liebe gewesen sein, aber du weißt auch, dass nichts wirklich passiert ist. Es war nur ein Film.

Wenn du dich daran erinnerst, dass dein wahres Wesen Stille ist, und dass das dieselbe Stille ist, in der alles erscheint, kannst du alle Phänomene und Erscheinungen genießen, ohne dich in ihnen zu verlieren. Du bist dann in der Stille verankert, die du bist, und gleichzeitig bist du voller Leben.

Schweigen schließt nichts aus und schon gar nicht das Leben.

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