Tipps für den Erzähler

Durch: Leo Kaniok 8 Juli 2015

Schon aus der Eiszeit ist bekannt, dass sich die Menschen am Feuer in ihren Höhlen Geschichten erzählten. Auf diese Art und Weise konnten sie einander teilhaben lassen an ihren Erlebnissen, zum Beispiel auf der Jagd. Erfahrungen und Emotionen wurden miteinander geteilt. So konnten sie voneinander lernen und einander Wissen und Fähigkeiten vermitteln, aber auch Weisheiten – uralt und doch springlebendig – weitergeben. Und das ist so bis zum heutigen Tag.

Was auch bis heute genauso ist, ist die Kraft des Erzählers. Der Erzähler bringt die Geschichte zum Leben. Er stellt seine Person, seine Fähigkeiten, seinen Stimmgebrauch, seine Gesten, seine Mimik und seine Requisiten in den Dienst der Geschichte. Er springt sozusagen mitten in die Geschichte hinein. Der Erzähler weiß, dass die Kunst des Erzählens und die Geschichte selbst eine Struktur haben.

Wie erzählt man eine Geschichte?


Die Struktur der Geschichte

Die Ausgangssituation: Beschreibung einer Startsituation, von der aus man der Geschichte folgen kann. Hier müssen die Zuhörer erfahren, wovon die Geschichte handelt, was ihre Absicht ist, wann und wo die Geschichte spielt. Der Erzähler muss hier mitteilsam sein und während des Erzählens einschätzen, welche Dinge später noch ergänzt oder näher beleuchtet werden können. Hier wird der Kontakt geknüpft mit der Gruppe, die zuhört.

Es hat begonnen: Die Geschichte geht nun richtig los. Es passiert etwas, das Reaktionen hervorruft. Dieser Teil der Erzählung beginnt oft mit: „Eines schönen Tages…“, oder „Plötzlich…“.
Hier baut der Erzähler Spannung auf: Was wird geschehen? Wie geht es weiter?
Alles, was die Geschichte braucht, kann hier eingesetzt werden, um die Gruppe mit einzubeziehen.

Der Höhepunkt der Geschichte ist die Antwort auf: Was wird geschehen? Das Ereignis selbst. Das ist der wichtigste Teil. Überall in der Geschichte, doch vor allem hier, gestaltet der Erzähler mit Worten aus. Farben, Gerüche, Geräusche, Geschmack, tastbare Empfindungen können durch seinen Sprachgebrauch ins Leben gerufen werden.

Es geht dem Ende zu: Welchen Einfluss hat das, was passiert ist, auf die Personen oder Tiere in der Geschichte? Auf den Rest der Umgebung? Was hat die Hauptperson daraus gelernt? Welche Weisheit nimmt sie mit?

Der Schluss: Eine eine Geschichte und ihr Erzähler wollen etwas vermitteln. Das Ende offenbart eine Schlussfolgerung oder Pointe. Das kann die Moral der Geschichte sein, eine auf den Punkt gebrachte Weisheit, ein ruhiger Ausklang (es geht zum Glück gut aus) oder ein hoffnungsvolles Zukunftsbild („Und sie lebten noch lange und glücklich“). Hier steigt der Erzähler wieder Schritt für Schritt aus der Geschichte aus, gibt noch eine letzte Botschaft mit, übergibt die Geschichte wieder sich selbst und lässt die Gruppe zur Ruhe kommen.

Was geschieht danach?
Dann kommt der Moment, wo der Erzähler ein Gesprächsleiter wird oder er diese Rolle deutlich jemand anderem überträgt. Beim gemeinsamen Reflektieren wird die Geschichte noch an Wert gewinnen! Dabei können Fragen gestellt werden, deren Antworten konkret in der Geschichte enthalten sind. Es können aber auch Denkansätze gegeben werden, die einladen zum weiteren Nachdenken, zu Meinungen oder Meinungsänderungen. Fragen, durch die man wachsen kann auf der Suche nach Antworten, weiser werden kann. Dann ist man am Philosophieren und das geht auch wunderbar mit Kindern.

Es ist wichtig, dass Kinder die Gelegenheit bekommen, die Geschichte individuell zu verarbeiten. Das wird möglich, indem man die Geschichte nochmals liest, oder durch verschiedene kreative Ausdrucksformen.

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