Vom Mut, eine Probe zu wagen

Durch: Aus der Zen-Tradition 26 Mai 2017

Ein König stellte für einen wichtigen Posten den Hofstaat auf die Probe. Kräftige und weise Männer umstanden ihn in Scharen. „Ihr weisen Männer“, sprach der König, „ich habe ein Problem und ich möchte sehen, wer von euch in der Lage ist, dieses Problem zu bewältigen.“ Er führte die Anwesenden zu einem riesigen Türschloß, das so groß war, wie es keiner je gesehen hatte. Der König erklärte: „Hier seht ihr das größte und schwerste Schloß, das je in meinem Reiche war. Das Öffnen des Schlosses erfordert eine gewisse Kunst. Wer von Euch ist in der Lage, das Schloß zu öffnen?“

Ein Teil des Hofstaates schüttelte nur verneinend den Kopf. Einige, die zu den Weisen zählten, schauten sich das Schloß näher an, gaben aber zu, sie könnten es nicht schaffen. Als die Weisen dies gesagt hatten, schüttelte auch der Rest des Hofstaates verneinend den Kopf und gab zu, daß dieses Problem zu schwer sei, als dass sie es lösen könnten. Nur ein Wesir ging an das Schloß heran. Er untersuchte es mit seinen Blicken und mit seinen Fingern, versuchte es in der verschiedensten Weise zu bewegen und zog schließlich mit einem Ruck daran und siehe, das Schloß öffnete sich. Das Schloß war nämlich, wie der König wußte, nur angelehnt, und es bedurfte nichts weiter als des Mutes und der Bereitschaft, dies zu begreifen und beherzt anzufassen. Der König sprach: „Du wirst die Stelle am Hof erhalten, denn du verläßt dich nicht nur auf das, was du siehst oder hörst, sondern setzt selber deine eigenen Kräfte ein und wagst eine Probe.“

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