Prioritäten setzen

Durch: Leo Kaniok 8 Juli 2015

Pferdefutter

Der Mullah, ein Prediger, kam in einen Saal, um zu sprechen. Der Saal war leer, bis auf einen jungen Stallmeister, der in der ersten Reihe saβ. Der Mullah überlegte sich: „Soll ich sprechen oder es lieber bleiben lassen?“
Schlieβlich fragte er den Stallmeister: „Es ist niemand auβer dir da, soll ich deiner Meinung nach sprechen oder nicht?“
Der Stallmeister antwortete: „Herr, ich bin ein einfacher Mann, davon verstehe ich nichts. Aber wenn ich in einen Stall komme und sehe, dass alle Pferde weggelaufen sind und nur ein einziges dageblieben ist, werde ich es trotzdem füttern.“ Der Mullah nahm sich das zu Herzen und begann seine Predigt. Er sprach über zwei Stunden lang. Danach fühlte er sich erleichtert und glücklich und wollte durch den Zuhörer bestätigt wissen, wie gut seine Rede war.
Er fragte: „Wie hat dir meine Predigt gefallen?“
Der Stallmeister antwortete: „Ich habe bereits gesagt, dass ich ein einfacher Mann bin und von so etwas nicht viel verstehe. Aber wenn ich in einen Stall komme und sehe, dass alle Pferde auβer einem weggelaufen sind, werde ich es trotzdem füttern. Ich würde ihm aber nicht das ganze Futter geben, das für alle Pferde gedacht ist.“


Diskussion

Prioritäten setzen heiβt auch, auf dem Weg zum Ziel sein Pulver nicht zu verschießen. Warum gleich den ganzen
Baum fällen, wenn es reichen würde, die Äste zu beschneiden, um ungehindert weitergehen zu können? Wenn zehn Prozent Energie reichen, um ans Ziel zu kommen, dann bleiben noch 90 Prozent für die anderen Ziele.

Der Kraftaufwand sollte den Umständen entsprechen. Wer die richtigen, der Situation angepassten Entscheidungen trifft, kann seine Ressourcen richtig nutzen und mit seiner Energie wirtschaftlich umgehen.

Man sollte jedem Menschen nur soviel „Futter“ geben, dass er sich nicht verschluckt, aber genügend, damit er nicht hungert. Denn
in beiden Fällen ist er nicht mehr fähig, den gemeinsamen Weg zu gehen. Jedes Projekt, jede Aufgabe muss so filetiert werden, dass sie in essbaren Happen gereicht werden kann. Bekommt jemand zu wenig zu essen, hat er entsprechend Hunger und betreibt entweder unnütze Sachen, spielt auf falschen Plätzen, gönnt sich lange Pausen oder hat schon mittags Feierabend. lst der Happen zu groß, bleibt er im Halse stecken und man verschluckt sich. Die Talente und die Ressourcen eines jeden müssen individuell mit ,,Futter“ versorgt werden. Und: Die Unterteilung einer Gesamtaufgabe in einzelne Happen, die dem jeweiligen Appetit gerecht werden, ist ein Garant für das Erreichen der Ziele.

Jedes noch so kleine Ziel beinhaltet eine Vielzahl von Teilbereichen, die nacheinander bearbeitet werden müssen, um überhaupt zum Ziel gelangen zu können. Nun kann man natürlich seine Handlungen breit streuen, mal diesen, mal jenen Teilbereich bearbeiten.

Es scheint eine stattliche Anzahl von gleichwertigen Alternativen, von möglichen Wegen und Strategien zu geben. Um seine Ressourcen sinnvoll und kraftsparend einzusetzen, muss das Wesentliche herausgearbeitet werden. Ein Ziel setzt nur den Rahmen.

Wer ein Ziel erreichen will, muss sich über den wesentlichen lnhalt dieses Ziels klar werden. Darauf kann er seine Prioritäten ausrichten, daraus kann er Entscheidungen ableiten, Wege finden und Strategien entwickeln. Und das, ohne Energie zu vergeuden.

Aus: Dream Teams W.W. Lasko

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